Samstag 6. Februar 2010, 22:00 Uhr

C-SCHULZ & F.X.RANDOMIZ
Das Ohr am Gleis

BLACK BOX im cuba

Die Kölner Musikelektroniker C-Schulz und F.X.Randomiz untersuchen die Klangwelt des heutigen Schienenverkehrs. Ein Projekt, das Unterwegssein, Räumlichkeit, Rast- und Heimatlosigkeit horbar macht. Und das nebenbei beweist, wie historisch und emotional befrachtet Umweltgerausche sein können.

Der Eisenbahnknotenpunkt Koln war Ausgangspunkt einer Expedition, die die beiden Klangkünstler bis ins russische Murmansk am Nordpolarmeer fuhrte. Auf ihrem Weg entlang der Gleise lagen Stellwerke, Bahnschranken, Wartehallen, Güterbahnhofe, Reparaturhallen und Eisenbahntunnel.
Die Sounds moderner ICE-Triebwagen, russischer Diesellokomotiven und historischer Dampfrösser wurden im Studio zu hybriden Klanggebilden transformiert und mit Instrumentalklangen kontrastiert. Der Blick aus dem Zugfenster mit seinen diskontinuierlichen, rasch wechselnden Eindrucken wurde durch vorbei flirrende Klangfragmente in akustische Ereignisse ubersetzt.

"Das Ohr am Gleis" spielt mit Nah- und Fernwirkung, lasst donnernde Hochgeschwindigkeitszüge in die meditative Stille verlassener Gleise platzen. Das Kreischen der Bremsen schaukelt sich zu einem bedrohlichen Geräuschmoloch auf, das Rattern der Schwellen generiert einen artifiziellen, tranceartigen Rhythmus, das Singen der Schienen und Oberleitungen verwandelt sich zu fluchtigen Melodielinien inmitten verwehter Klanglandschaften. Ein Fernweh kommt auf, das sich in Flughafenwartehallen so niemals einstellen wurde. Eine Sehnsucht und ein Weg-Wollen, die sich schwer in Worte fassen lassen.

"Das Ohr am Gleis" ist intensive Gerauschmusik, gleicherma?en entrückt, berückend und konkret. Kompositorisch collagierte Feldaufnahmen, die sowohl Musik als auch Horspiel sein können. Beilaufige Klange verdichten sich zu Tracks und werden auf eine Bedeutungsebene gehoben, um bald darauf wieder in blo?e Klange zu zerfallen. Kaum möglich, diese Musik nebenbei zu hören. Weghören ist ganzlich ausgeschlossen.