Tomasz Adam Nowak
Freitag 15. Februar 2008, 20:00 Uhr

Tomasz Adam Nowak:
Neue Musik für Orgel

Münster, Lambertikirche


Im Rahmen des KlangZeitFestivals präsentiert der Organist der Stadt- und Marktkirche St. Lamberti Prof. Thomas Adam Nowak ein besonderes Programm mit zeitgenössischen Werken

„Dieses Instrument gleicht einer riesigen Prothese“, kommentierte György Ligeti die Orgel. Sie sei besonders durch ihre Mängel charakterisiert, durch Unbeholfenheit, Steifigkeit und Eckigkeit. Diese Eigenheiten entstehen durch die wuchtige Mechanik, die der Komponist im Anfang der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts geschriebenen Stück „Volumina“ zum Ausgangspunkt der Partitur nahm. Ligeti komponiert unter anderem mit dem Herunterdrücken unterschiedlich vieler Tasten, womit er sowohl den Klang als auch dessen Intensität steuern kann. Das spektakulärste Mittel ist wohl das Ein- und Ausschalten des Orgelmotors während des Spiels. Einerseits entstehen durch die unkontrollierbaren Prozesse des An- und Abschwellens eigenwillige Klangeffekte und komplexe tonale Verstimmungen. Andererseits enthüllt es dem Hörer die Starrheit der mechanischen Koppelung zwischen Luftzufuhr und Tonbildung.
Ebenfalls mit Unstabilitäten und Unbestimmtheiten beschäftigte sich Luciano Berio in „FA-SI“ von 1975. Allerdings richtet er seine Aufmerksamkeit nicht auf die Technik des Instruments, sondern aufs Musikalische. Er huldigte der frühbarocken Fantasie mit ihren hohen Freiheitsgraden in Ausführung und Ausdruck. Trotz exakt vorgeschriebener Metronomzahlen notierte Berio „come improvisando“ in der Partitur. Diese Kluft zwischen Exaktheit und musikalischer Freiheit verleiht dem Stück seine Spannung. Ausgehend von dem im Titel genannten Intervall f-h, einem Tritonus, gestaltet der Komponist eine Folge harmonischer Funktionen, die er durch vielfältige Registrierungen in ein komplexes Klanggeflecht hüllt.
Mit der Passacaglia formuliert Giselher Klebe in seinem 1968 komponierten Orgelstück einen Traditionsbezug, der sich, ähnlich wie bei Berio, auf Barockes richtet. Dabei entwickelt der Komponist eine ganz eigenwillige, von zwölftöniger Harmonik geprägte Ausformung der Gattung.
Im 1939 entstandenen Orgelzyklus „Les Corps glorieux“ thematisierte Olivier Messiaen die Auferstehung der Toten. Er schreibt ihnen einen „Lichtglanz“ zu, den er in vielen Passagen des Werks durch die Klarheit der Einstimmigkeit symbolisiert. Durch Registerwechsel belebt er die melodischen Linien mit klanglichen Variationen und Echoeffekten.


Programm:

György Ligeti (1923-2006) – Volumina (1961/62/1966)

Luciano Berio (1925-2003) – FA-SI für Orgel mit Registranten (1975)

Giselher Klebe (*1925) – Passacaglia op. 56

Olivier Messiaen (1908-1992) zum 100. Geburtstag
Aus: Les Corps glorieux (1939)

I. Subtilité des corps glorieux
("Die Feinheit der verklärten Leiber")

II. Les eaux de la grace
("Die Wasser der Gnade"

III. L\'ange aux parfums
("Der Engel mit dem Räucherwerk")

VI. Joie et clarté des corps glorieux
("Freude und Glanz der verklärten Leiber")

VII. Le mystère de la Sainte Trinité
("Das Geheimnis der Dreieinigkeit")