Jörn Arnecke
Samstag 9. Februar 2008, 16:00 Uhr

Ensemble 21
mit Heine, Schumann und Schubert Werke von: Arnecke, Froleyks, Riley

Münster, Musikhochschule

Programm:

Jörn Arnecke – Erstarrung (2000)

Stephan Froleyks – Vier Sätze mit Heine und Schumann
für Ensemble und DJ/Elektronik (2006)
I anfangs
II hör ich (das liedchen)
III frühling / sehnsucht
IV en rien, flüstern

Terry Riley – The Central Star March aus Wölfli Portraits (1992)

Das ENSEMBLE 21 ist Teil der Initiative STUDIO 21 für aktuelle Musik in Hamburg. Ziel dieser Initiative ist die Bündelung von Aktivitäten, die der Förderung, Präsentation und Ausbildung neuester Musik dienen. Das viel beachtete Gründungskonzert im letzten Jahr ist Ausdruck dieses hohen Anspruchs an die künstlerische Umsetzung. Für die musikalische Leitung des jungen, engagierten Ensembles konnte mit dem Dirigenten René Gulikers ein kompetenter Partner gefunden werden. Auf dem Programm stehen Werke von Jörn Arnecke, der zu "Deutschlands erfolgreichsten Nachwuchs Komponisten" (Hannoversche Allgemeine Zeitung) gehört, Stephan Froleyks und dem amerikanischen Minimalisten Terry Riley.

Ensemble 21


Werke von Künstlern aus vergangenen Zeiten inspirierten die Komponisten der in diesem Konzert gespielten Stücke. Bei Terry Riley war es das bildnerische Werk des schizophrenen, 1930 gestorbenen Schweizer Malers Adolf Wölfli. Als Vertreter der „Minimal Music“ hatte der Komponist in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts die Pattern-Music entwickelt. Dabei bilden kleine musikalische Bausteine die Grundlage der Komposition. Sie werden permanent wiederholt, leicht verändert und dabei zeitlich verschoben oder verzerrt. Terry Riley erkannte solche Patterns offenbar auch in den Gemälden von Adolf Wölfli. Der Maler arbeitet mit kleinen Bildelementen, die wiederholt werden, um größere Strukturen zu formen. Die Gegenständlichkeit dieser Bildelemente spiegelt der Komponist in den „Wölfli Portraits“ durch zitathafte Floskeln aus Tänzen und außereuropäischer Musik.
Mit Zeitstrukturen komponiert auch Jörn Arnecke, jedoch nicht durch Reihung und Repetition musikalischer Elemente, sondern eher symbolisch. Der Titel „Erstarrung“ deutet das an. Arnecke bezieht sich auf das gleichnamige Lied aus Franz Schuberts „Winterreise“, vor allem im Part des Klaviers. Der Pianist soll „durchgängig und unverrückbar leise, wie ein gedehnter Schatten des Schubert-Liedes“ spielen. Die stark verlangsamte Melodie dehnt die Zeit in die Länge und droht unter dem Spiel der anderen Instrumente unterzugehen. Schließlich verteilt sich das Ensemble im Raum und lässt die Sängerin allein auf der Bühne zurück, bis das Klavier verstummt.
Auch auf Romantisches bezieht sich Stephan Froleyks in „Vier Sätze mit Heine und Schumann“. Doch erscheint hier das Vergangene, die Welt von Heine und Schumann, als eine Reminiszenz, zu der der Komponist durch unterschiedliche Mittel eine gewisse Distanz einnimmt. Text- und Musikzitate werden aus eigentümlichen Perspektiven beleuchtet und umspielt. Einmal stellt der Komponist die Sopranistin als „Fernmusikerin“ weit entfernt vom Ensemble auf, an anderer Stelle wird es den Musikern überlassen, welche Töne sie aus dem Tonvorrat der gegebenen, von Schumann abgeleiteten Akkorde spielen, und ein DJ bringt eine Schumann-Collage ein. Am Schluss dann flüstern die Musiker Textfragmente, die die Welt Heinrich Heines wie aus weiter Distanz aufblitzen lassen.

Ensemble 21


Flöte: Katrin Leithner
Oboe: Christiane Weis
Klarinette: Carola Schaal
Fagott: Henning Stoll
Horn: Robert Shirley
Trompete: Matthias Heßeler
Posaune: Tillmann Smalla
Klavier: Daria Iossifova
Schlagzeug: Victoria Reich
Schlagzeug: Johann Seuthe
Violine: Ying Yin
Bratsche: Xiaorui Hao
Cello: Julia Schumann
Kontrabass: NN
Akkordeon: Bernd Butz
Sprecherin: Christiane Boehlke
DJ: Alexander Schubert
Dirigent: René Gulikers

Solistin: Julia Henning (Sopran)

Leitung: René Gulikers