KLANGZEIT 2014 wurde gefördert von Kulturstiftung des Bundes, Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, Kulturstiftung NRW, Schweizer Kulturstiftung proHelvetia

 

Veranstalter:

Gesellschaft für Neue Musik Münster e.V.  

 

in Kooperation mit 

Kulturamt Münster, Theater Münster, Sinfonieorchester Münster, Musikhochschule in der Westfälischen Wilhelmsuniversität Münster, Musikwissenschaftliches Institut der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Akademie Franz-Hitze-Haus und cuba-cultur 

 

Programm: Reinbert Evers, Stephan Froleyks, Erhard Hirt, Fabrizio Ventura

 

Organisation: cuba–cultur, Münster

Festivalbüro: Erhard Hirt

Bühnenmanagement: Peter Kersting

Promotion: Pro Classics

Kommunikationsdesign: Thorsten Stapel

Fr. 24/01/2014 I 19:00 I Musikhochschule Münster, Ludgeriplatz 1
ensemble:hörsinn & Gäste

ensemble:hörsinn & Gäste

ensemble:hörsinn


Georg Katzer:
- "Konzert" für Cembalo und Bläserquintett (1978)

Paul Dessau:
- "Guernica" für Klavier solo (um 1938)

Friedrich Schenker:
- „Zwei Feldmusiken“ für Akkordeon , Trompete, Horn, Posaune und Tuba, nach Jean Paul(2006)

Georg Katzer:
- "Elegisch, ma non troppo" für 2 Gitarren (1982)

Paul Dessau:
- "Suite" für Alt-Saxophon und Klavier (1935)

Friedrich Goldmann:
- "Sonate" für Bläserquintett und Klavier (1971)

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Füsun Köksal
- "Fanfare" für Flöte, Oboe, Klarinette, Trompete und Baritonsaxophon

Samir Odeh-Tamimi:
- Li-Umm-Kámel (2004) für Flöte, Klavier und Schlagzeug
- Ja-Nári (2003) für Trp, Horn, Bassposaune & Schlagzeug

Iannis Xenakis:
- Linaia Agon (1972)

Jörg Birkenkötter:
- „BlackBox... (untrennbar?)“, 2013/14, UA



Nach seiner Emigration in die USA kehrte Paul Dessau ganz bewusst in die damalige SBZ (Sowjetische Besatzungszone) und spätere DDR zurück. Wie Hanns Eisler fühlte er sich von der Idee des Sozialismus angezogen. Sie bildet eine inhaltliche Folie für seine Kompositionen, und Titel wie „Guernica“ tragen ohnehin Politisches in sich. Formal versuchte Dessau, solche Inhalte in einer kompromisslosen zeitgenössischen Musiksprache zu vermitteln.

Ein bedeutendes Neue-Musik-Ensemble der DDR war die Bläservereinigung Berlin, die aus einem Holzbläserquintett plus Klavier bestand. Für diese Besetzung schrieben Friedrich
Schenker, Friedrich Goldmann und Georg Katzer einige Stücke; alle drei Komponisten gehören zur Nachkriegsgeneration in der DDR. Alle drei waren auch mit den Forderungen des sozialistischen Realismus nach Wirklichkeitsnähe und Verständlichkeit konfrontiert. Doch enthielten sie sich einer schlichten Propaganda und entwickelten je individuelle Stile. Gleichwohl thematisieren viele ihrer Kompositionen Politisches. In der „Feldmusik“ von Schenker zum Beispiel nehmen perkussive und geräuschhafte Elemente die Militärmusik ironisch aufs Korn.

Einen außermusikalischen, teils persönlichen, teils politischen Hintergrund haben auch die Werke des Palästinensischen, in Berlin lebenden Komponisten Samir Odeh-Tamini. In „Li-Umm-Kámel“ huldigt er seiner Urgroßmutter, die er sehr geliebt hatte. „Ja Nári“ bedeutet „mein verbranntes Herz“. „Ja Nári ist ein Gefühl der Machtlosigkeit, nicht aber der Resignation. Es ist ein Erkennen dessen was geschieht. Keine Illusion, sondern ein wacher Blick. Der Beginn der Suche nach einem Ausweg entspringt dem Gefühl des Schmerzes, dem man sich stellen muss.“, schreibt der Komponist. Diese Gefühlslage gießt Odeh-Tamini in eine hochexpressive, sehr eigenwillige Tonsprache.

Iannis Xenakis’ „Linaia Agon“ ist ein musikalischer Streit, der einen mythologischen Wettstreit, nämlich die Auseinandersetzung zwischen Linos, verkörpert durch die Posaune, und Apollo, dem Herrn der Musen, symbolisiert. Musikalisch wird dieser Kampf durch eine ausgefeilte Spielstrategie ausgefochten.
Dafür hat der Komponist elf Regeln formuliert, nach denen sich die Musiker richten müssen.
Jörg Birkenkötters „BlackBox… (-untrennbar?)“ beruht auf dem Ensemblestück „getrennt – untrennbar“ von 1997/98. Der Komponist fügte dem bestehenden Werk eine Akkordeonstimme hinzu. Diese Stimme bildet gewissermaßen eine Black Box: sie reagiert auf die Musik des Ensembles und erzeugt einen eigenständigen Output. Für den Komponisten ergeben sich daraus Fragestellungen: „Ob Akkordeon und Ensemble nun eigentlich zwingend einander bedürfen, das heißt untrennbar miteinander verknüpft sind, muss letztlich offen bleiben“, schreibt Birkenkötter. „Die Vorstellung eines in sich geschlossenen Kunstwerks, das in seiner Stimmigkeit nur so und nicht anders sein kann, entpuppt sich immer wieder als Schein. Es gibt nicht nur eine Wahrheit!“



ensemble:hörsinn

Als freies Ensemble befasst sich das ensemble:hörsinn seit acht Jahren mit der Aufführung zeitgenössischer Musik. Seitdem spielten die Münsteraner Musiker zahlreiche Uraufführungen und pflegen gleichzeitig das Repertoire der letzten Jahrzehnte. Die Zusammenarbeit mit lebenden Komponisten ist dem Ensemble ein besonders Anliegen.


Konzerte in Berlin, Paris, Warschau, Minsk, sowie eine Rundfunkübertragung im Deutschlandfunk bezeugen die Bedeutung auch über die Region hinaus. Die nicht ganz gewöhnliche Besetzung mit einem Schwerpunkt auf Blasinstrumente gibt dem Ensemble einen eigenen Charakter. Beim diesjährigen Klangzeit-Festival erweitert sich die Besetzung erstmals um alle Blasinstrumente, Akkordeon und eine kleine Streicherbesetzung.

 
Ensemble Hörsinn:
Pavel Tseliapniou Flöte
Ferhat Bayramogulari Oboe
Vanessa Hövelmann Klarinette
Helmut Beham Fagott
Timothy Morgan Page Horn
Norbert Fabritius Trompete
Bastian Robben Posaune
Karsten Süßmilch Tenor- u. Bass-Posaune
Jan Termath Tuba & Leitung
Gereon Voß Schlagzeug
Miroslaw Tybora Akkordeon
Deborah Rawlings Klavier
Shin-Hye Park Violine
Rafael Guevara Violoncello

Dirigentin Eva Fodor



Solisten:

Miroslaw Tybora Akkordeon
Nino Sakadze Cembalo
Deborah Rawlings Klavier
Clemens Rave Klavier
Enrico Taubmann Saxophon)
Stephan Schomaker Gitarre
Peter Kersting Gitarre