KLANGZEIT 2010 wurde gefördert von
Kunststiftung NRW, 

Staatskanzlei des Landes NRW, 

Kulturamt der Stadt Münster, 

GWK – Gesellschaft zur Förderung der westfälischen Kulturarbeit, 

Arts Council Korea

 

Veranstalter: 

Gesellschaft für Neue Musik Münster e.V.  

 

in Kooperation mit 

Kulturamt der Stadt Münster, 

Städtische Bühnen Münster, 

Sinfonieorchester Münster, 

Musikhochschule in der Westfälischen Wilhelmsuniversität Münster, 

Franz Hitze Haus,

cuba-cultur

 

Programm: Reinbert Evers, Stephan Froleyks, Erhard Hirt, Till Kniola, Fabrizio Ventura

 

 

Organisation: cuba–cultur, Münster 

Festivalbüro: Erhard Hirt 

Promotion: Pro Classics

Kommunikationsdesign: Thorsten Stapel

Festivalüberblick 2010

Mehr als Literatur und Malerei ist die Musik als aufführungsabhängige Kunst an städtische Strukturen und ein urbanes Umfeld gebunden. Zentren wie Wien, London oder Paris werden aufgrund ihrer glanzvollen musikalischen Traditionen als „Musikstädte“ bezeichnet. Aber auch weniger prominente Städte wie Münster weisen ein in Geschichte und Gegenwart vielfältiges Musikleben auf, in dem sich das Neben-, Mit- und gegebenenfalls auch Gegeneinander ihrer verschiedenen sozialen, konfessionellen und ethnischen Bevölkerungsgruppen plastisch widerspiegelt. 


Der Auftakt der KLANGZEIT 2010 war dementsprechend ein weithin leuchtender Glanzpunkt: Das Stadttheater Münster eröffnete die Stadtklänge mit der Großstadtoper Lulu von Alban Berg, in der die Lebensbahn einer verruchten Kindfrau durch ihre immer größere Schieflage beim Londoner Jack the Ripper und seinem Chirurgenbesteck endet. Einen Kompositionsauftrag vergab die Gesellschaft für Neue Musik Münster an Helmut Oehring, der die Münsteraner Stadtklänge in eine Orchestersuite setzte. Die Uraufführung des Werkes lag in den Händen des Sinfonieorchesters Münster unter Leitung von Fabrizio Ventura. Auch das Modern Art Sextett, das aus den Niederlanden kommende Ensemble Bakin Zub des kroatischen Komponisten Marko Ciciliani, sowie das TIMF-Ensemble (Tongyeong International Music Festival) verstärkt durch traditionelle koreanische Instrumente, brachten ihre individuellen „Stadtklänge“ mit. Das Ensemble Hörsinn stellte mit Maurizio Kagels berühmter Kantrimiusik die ländliche Gegenthese zum Festivalthema vor, während im Programm von Clemens Rave und dem Leipziger Wolfgang Heisig, handgemachte wie maschinelle Klaviermusik des Futurismus dargeboten wird.


Dazu kamen mehrere Portraits in klingendem Ton. Zunächst stellte sich der Wiener Elektronik-Komponist Karlheinz Essl vor, der bei Friedrich Cerha studierte. Dann konnten Freunde und Liebhaber Neuer Musik Näheres über den englischen Komponisten und Tuba-Spieler Melvyn Poore erfahren, der als Mitglied der MusikFabrik NRW und des Ensembles Zeitkratzer tätig ist. Und endlich präsentierte sich beim diesjährigen Festival der Amerikaner Alvin Curran: „Demokratisch, respektlos und experimentierfreudig“ wird dieser inzwischen über siebzigjährige Mann aus den USA beschrieben, der in Rom lebt und in einer „sprunghaften Mischung aus Lyrik und Chaos, Struktur und Unbestimmheiten, Nebelhörnern, Fiedeln“ und unzähligen anderen Klangerzeugern agiert. Auf diese Weise hat er mehr als 150 Stücke geschaffen, in denen er die wunderlichsten Kombinationen verwendet. 


Die KLANGZEIT 2010 betrachtete ferner die Auswirkungen, die die von bestimmten Seiten angestrebte Globalisierung auf den Begriff der „Stadt“ insgesamt hat: Elektronische Beats der Urban Music fanden in Clubs ihr Forum in einer eigenen Programmschiene in den Clubs.


Menschen in Städten: Das ist immer auch eine Wanderung zwischen Musik und Lärm – und es ist eine Frage der Definitionen und Perspektiven, wie schon die italienischen Futuristen vor beinahe einhundert Jahren meinten, als sie sich bemühten, die Schönheit dessen zu entdecken, was uns alltäglich umgibt: „Es macht uns Freude, den Lärm der Untergrundbahnen im Geiste zu orchestrieren!“ Wichtiger als das Material ist noch immer, was man daraus macht. Die KLANGZEIT 2010 hat uns das vorgeführt.