KLANGZEIT 2008 wurde gefördert von
Kunststiftung NRW, 

Staatskanzlei des Landes NRW, 

Stiftung Kunstfonds, 

Stiftung Kunst Bildung und Erziehung der Sparda Bank Münster, 

Kulturstiftung der Westfälischen Provinzial NRW

 

Veranstalter: 

Gesellschaft für Neue Musik Münster e.V.  

 

in Kooperation mit 

Kulturamt der Stadt Münster, 

Städtische Bühnen Münster, 

Sinfonieorchester Münster, 

Musikhochschule in der Westfälischen Wilhelmsuniversität Münster, 

cuba-cultur, 

November-Music

 

Programm: Reinbert Evers, Stephan Froleyks, Erhard Hirt, Till Kniola, Fabrizio Ventura

 

Organisation: cuba–cultur, Münster

Festivalbüro: Erhard Hirt, Andreas Weber

Bühnenmanagement: Andreas Marcus

Promotion: Pro Classics

Kommunikationsdesign: Thorsten Stapel

 

Dank an: 

Katholische Universitätsgemeinde Münster, Pfarrgemeinde Liebfrauen Überwasser, St. Lamberti Kirchengemeinde und Westfälischer Kunstverein

Festivalüberblick 2008

Time is on my side. Keine Musik existiert außerhalb der Zeit. Die Zeit ist zentral und grundlegend für jede Art von Musik. In der Form und Gesamtdauer eines Musikstücks, aber auch in den verschiedenartigen rhythmischen Ebenen und dem Entfaltungshorizont einer melodischen Linie wird Zeit mannigfaltig gestaltet. Musiker hatten und haben dabei unterschiedliche Visionen von Zeit: Sie träumen von Zeitpunkten oder Zeitschleifen, von Zeitflächen voller Klang oder scharfen Schnitten in die Zeit. Sie wünschen sich die musikalische Zeit in der Gestalt einer Kugel. Sie lassen verschwenderisch Zeit verstreichen, dehnen, stauchen und beschleunigen sie. Komponisten erzeugen einerseits weit gespannte, fast ereignislose meditative und leere Zeitzonen. Andererseits gehen sie aber auch höchst skrupulös mit der Lebenszeit ihrer Zuhörer um, indem sie höchst verdichtete, explosive Atmosphären voll extremer Kontraste in knappste Zeiträume pressen. 


Was fasziniert Musiker an dieser speziellen Form der Zeitarbeit? Vielleicht, dass wir Menschen beim Musikhören die Zeit endlich einmal vergessen, endlich einmal der zeitlichen Begrenzung unserer individuellen Existenz entrinnen können? Die Aushebelung physikalischer Zeit durch musikalische Zeit – diesem Paradoxon lauschte die KLANGZEIT 2008 nach.


Zentraler Komponist war in diesem Jahr der fünf Jahre zuvor verstorbene Luciano Berio, mit dessen 1984 entstandener Oper Un re in ascolto („Ein König horcht”) die Städtischen Bühnen Münster das Festival eröffneten. Berio ist eine der markantesten Figuren der vergangenen Avantgarde, die sich längst selbst als klassisch und damit als Zukunftsrepertoire erwiesen hat. Kontrastiert wurde dieser Schwerpunkt durch amerikanische Komponisten, die Geschichte schrieben: Terry Riley, den Vater der Minimal Music und Moondog, eine einzigartige Gestalt der Musikszene, die ebenso von Leonard Bernstein wie von Frank Zappa bewundert wurde.


Die Indische Musik der Dhrupad-Tradition, alte europäische Zeitvorstellungen, wie sie beispielsweise in der Gregorianik geläufig waren, und selbstverständlich immer wieder das Jetzt, bestimmten den weiteren Gang der Dinge:

In diesem Jahr wurden sorgfältig ausgewählte und aufeinander abgestimmte Kompositionen des litauischen Altmeisters Osvaldas Balakauskas, der jungen lettischen Bachpreisträgerin Ruta Paidere, des Japaners Yoshihiro Kanno, des niederländischen Komponisten und Flötisten Antoine Beuger sowie des Komponisten, Malers und Violinisten Burkhard Schlothauer in Münster aus der Taufe gehoben. 
Daneben gab es Werke von Morton Feldman, György Ligeti, Olivier Messiaen, Guus Janssen, Toru Takemitsu. Klanginstallationen und Langzeitkonzerte ermöglichten neuartige Wahrnehmungen und Erlebnisse. Das Spannungsfeld von (vielfach) computergesteuerter Live-Elektronik und physisch kontrollierter Perkussion wurde in einem eigenen Projekt mit drei Konzertbeiträgen ausgelotet.


Das Festival endete mit einem Konzert des Sinfonieorchesters Münster: Neben Luciano Berios Chemins V und Requies stand die Musik zweier Komponisten auf dem Programm, die für den Italiener schöpferische Leitsterne waren: Gustav Mahler und Franz Schubert. Für Chemins V konnte Reinbert Evers gewonnen werden, der 1980 als Erster die Royal Winter Music II von Hans Werner Henze spielte und seither unzählige gitarristische Impulse gegeben hat. 


Das gesamte Festival wurde von einer Installation mit dem Titel LOTOS (Julius gewidmet) des Hamburger Klangkünstlers Andreas Oldörp umrahmt, die im Verlauf des Festivals zum Bezugspunkt für weitere Konzerte wurde.