KLANGZEIT 2000 wurde gefördert von
Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW, 

Stiftung Kunst & Kultur NRW, 

Stadt Münster, 

Kulturstiftung der Sparkasse Münster, 

Kulturstiftung der Provinzial Versicherung, 

Münstersche Zeitung, 

ZKM Karlsruhe, 

Hochschule für Musik Detmold, Abt. Münster, 

Franz Hitze Haus, 

cuba-cultur

 

Veranstalter: 

Gesellschaft für Neue Musik Münster e.V.  

 

in Kooperation mit 

Kulturamt der Stadt Münster,

Hochschule für Musik Detmold, Abt. Münster

Festivalüberblick 2000

Unter dem Titel Mystik + Maschine wurde vom 26. bis 29. Oktober 2000 ein viertägiges Musikfestival veranstaltet, das sich einem erweiterten Spektrum aktueller Musikformen widmete. Stilübergreifend wurde ein Bogen von Chor- und Kammermusikwerken über Formen automatischer Musik bis hin zum Einsatz des Computers als Musikmaschine gespannt.

 

Mystik und Maschine: Dieses Gegensatzpaar ließe sich auch mit anderen Schlagworten ergänzen und erklären, wie Esoterik und High-Tech, Gebet und Computer, Gefühl und Kalkül, Rausch und Vernunft oder Gregorianik und Techno. Bei näherem Hinsehen merkt man, dass das scheinbare Gegensatzpaar gar keines ist. Mystik und Maschine, das sind in der Musik zwei Seiten derselben Medaille. Mystische Erfahrungen haben mit Erfahrungen von Kunst viele Gemeinsamkeiten. Musik kann jenseits aller ernsten künstlerischen Konstruktion gefühlsbetontes Erleben auslösen. Bisweilen ist ein solches Erleben von den Komponisten nicht nur in Kauf genommen, sondern bewusst gewollt. Rauschhafte musikalische Erfahrungen birgt der Tanz (ob Walzer oder Love-Parade).

 

Der überwiegende Teil der Kunstmusik im Abendland ist sich des fruchtbaren Gegensatzes von rationaler Konstruktion und Mystik, der Dialektik von Mathematik und Gefühl, bewusst. Beschreibt Mystik das nicht rational Fassbare, so steht die Maschine als Sinnbild für rationale Prozesse.

 

Wegen ihrer rationalen-technischen Zugangs zur Welt wird leicht übersehen, dass Maschinen unseren Alltag auf subtile Weise ästhetisieren. Ursprünglich lediglich zur Strukturierung und Organisation von Arbeitsabläufen vorgesehen, prägen Maschinen auch unseren Lebensstil in immer stärkerer Weise. Maschinen, im Bereich der Kultur zunächst nur für die Reproduktion vorgesehen, strukturieren zunehmend den Produktionsvorgang von Kultur. Es gilt längst ein Kunstbegriff, der die technologisch maschinelle Durchdringung unserer Lebenswelt zum Gegenstand hat. Nicht rational fassbare Erfahrung kann in künstlerischen Arbeitsweisen, z.B. maschinell gesteuerte Multiplikations-Zufallsverfahren, Fraktalisierungs- und Transformationsprozesse gezielt konstituiert werden.